Samstag, 9. Februar 2008

Köhler in Uganda/Ruanda

Da ich ja immer meine bestimmten Nachrichtenblätter als Feed bekomme, bin ich hier mal wieder über einen mich nachdenklich stimmenden Artikel von bild.de gestossen:



Bundespräsident erschüttert am Mahnmal des Völkermords in Ruanda
Köhler bei 250000 Totenschädeln
Von Julian REICHELT

"Die Erde, die an unseren Schuhen klebt, ist lehmig und rot. Weil so viel Blut darin ist, sagen die Menschen in Afrika."

BILD unterwegs mit Bundespräsident Horst Köhler in Uganda und Ruanda. Eine Sechs-Tage-Tour in die dunkelste Vergangenheit des Kontinents.

Uganda – das Land, in dem einst Diktator Idi Amin herrschte und seine Feinde verspeiste. Das Land, in dem zwanzig Jahre Bürgerkrieg Tausende, Zehntausende Menschen verschlungen haben.

Köhler in Ruanda


Schädel als Mahnung: In einem Massengrab sind die Überreste von 250000 Menschen bestattet worden
Foto: AP

Ruanda – das Land, in dem 1994 Männer vom Stamm der Hutu eine Million Tutsi niedermetzelten, in nur 100 Tagen. Mit Macheten, mit Knüppeln.

„Wir dürfen die Menschen, die in Afrika in Armut leben, nicht vergessen“, sagt Horst Köhler. „Wir müssen ihnen Hoffnung geben.“


Tagebuch aus dem Trauma-Zentrum der Welt

Ankunft in Uganda. Horst Köhler wird mit militärischen Ehren empfangen. Hundert Soldaten mit aufgepflanzten, glänzenden Bajonetten. Es sind die Bajonette, die zwanzig Jahre lang gemetzelt haben. Nun empfangen sie Staatsgäste. Man muss vergessen können in Afrika.

Ein Flüchtlingscamp. Der Bundespräsident trifft eine junge Frau. Ihr Name ist Hope, Hoffnung. Sie ist 22. Als Kind wurde sie von Rebellen in den Dschungel verschleppt, musste als Kindersoldatin kämpfen, wurde vergewaltigt. Sie bekam eine Tochter, heute sieben Jahre alt. „Ich weiß nicht, wer ihr Vater ist“, sagt Hope. „Aber es ist auch egal. Sie ist ein Geschenk Gottes, meine Zukunft, Ugandas Zukunft.“ Afrika braucht mehr Hope ...

Gulu, Nord-Uganda, bis vor kurzem Bürgerkriegsgebiet. Ein glühender Nachmittag. Zehntausend Menschen, dicht an dicht, mit Augen, die zu viel gesehen haben. Ich sitze mit Gusiom (41) unter einem Baum. In der linken Hand hält er ein Deutschlandfähnchen, an der Stelle seiner rechten ist nur ein Stumpf. „Rebellen kamen eines Nachts in mein Dorf. Sie waren betrunken und haben um sich geschossen. ‚Sollen wir dir mal zeigen, wie mächtig wir sind?‘ haben sie mich gefragt. Dann schlugen sie mir mit einer Machete die Hand ab. Ich hätte auch gern Frieden. Aber ich bin 41, mein Leben lang war Krieg. Ich bin ein Krüppel. Ich glaube nicht mehr an Frieden.“

Kigali, die Hauptstadt Ruandas gestern. Horst Köhler besucht die Gedenkstätte für den Völkermord. An einem Hügel gebaut, unter dem die Überreste von 250 000 Menschen ruhen. Ein Massengrab. Wir sehen Fotos von Babys, deren Köpfe mit Macheten gespalten wurden.

Köhler legt einen Kranz für die Opfer nieder. Später sagt er: „Aufarbeitung ist die Voraussetzung dafür, dass die Dämonen der Gewalt immer wieder in die Schranken gewiesen werden.“

Aber die Mörder mit den Macheten waren keine Dämonen. Das waren Menschen.



Und wenn ich das so lese erinnert es mich an die vielen Momente, wo man in den Augen der Menschen hier die Vergangenheit durchblitzen sieht. So viel Leid, so viel ungeahnte Ungerechtigkeit und Willkür... Ja, die meiste Zeit merkt man es ihnen nicht an. In unseren Breiten kaum möglich, bei uns ist es ja schon fast ein Hobby oder sogar "in" 1x/Woche bei iregndeinem Psychofritzen auf der Couch zu liegen! Nichts gegen Psychologen und Psychiater (!), aber übertreiben wir es nicht ein bißchen? Hier sind Menschen, die jahrelanges Grauen erlebt haben und dennoch leben sie ihr Leben, arbeiten, gründen Familien und erziehen Kinder. Wenn ich hier in einem Gottesdienst um mich sehe, oder wenn ich abends mal bei den Mädels eine "devotion" (Andacht) mitmache, bin ich tief bewegt. Wir Europäer sind so ein Jammerlappen-Volk, und auch unsere Kirchen sind davon nicht verschont. Selbst hier fällt es vielen noch schwer. Da machen wir morgens Lobpreis und jeder (Muzungu) hängt in seinem bequemen Stuhl und hat null Leidenschaft! Wir leben hier im Überfluss, sind gesund und versorgt und dennoch fällt uns nichts ein, wofür wir dankbar sein könnten. Wie arrogant dem Leben gegenüber! Unsere Jungs in der Druckerei beten+danken jeden Morgen dafür, dass sie leben. Sie bitten Gott um Seinen Segen, damit sie Ihm zur Ehre die besten Drucker Ugandas werden ( und einer hätte sogar das zeug dazu!).

Leute, lasst uns dankbar sein. Lasst uns Gott um die Gnade eines dankbaren Herzen bitten! Lasst uns unser Ego tötren und dem geist Raum geben. Lasst uns dankbar sein, denn:

"Wer Dank opfert, der preiset mich; und da ist der Weg, daß ich ihm zeige das Heil GOttes." Psalm 50,53

Der Weg liegt nicht im Jammern oder Selbstmitleid, sondern im "Hinweg-schauen" zum Anfänger und Vollender unseres Glaubens -Jesus.

1 " Darum auch wir, weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasset uns jede Last und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer die Rennbahn durchlaufen, welche vor uns liegt,
2 im Aufblick auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete, die Schande nicht achtete und sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.
3 Achtet auf ihn, der solchen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht müde werdet und den Mut verliert!"

Hebräer 12, 1-3


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