Samstag, 7. November 2009

kurze (Nach-)Denkpause

Eigentlich sollte ich gerade an meinem Studium arbeiten, Organisationsentwicklung, Betriebswirtschaftslehre, Projektmanagement... doch es war Stromausfall. Und so war ich zu stromloser Tätigkeit "gezwungen".

Draussen höre ich die Kinder aufräumen und spielen, Hunde bellen und jaulen, Kühe muhen. Der Wind rauscht durch die Bäume, Wolken ziehen, Nieselregen fällt. Es ist kühl. So krieche ich unter die Wolldecke und überlege, was zu tun.
Mein Blick fällt auf die Bücher, für die ich nie Zeit habe und so nehme ich mir den letzten Krimi von Stieg Larsson, ein Buch über Photoshop CS3 und ein Fachbuch über Persönlichkeitsstörungen ins Bett. An letzterem bleibe ich hänge und so werde ich mitgenommen in die Welten von Psychoanalyse, Philosophie, Zynismus und Humor. Kierkegard, Freud und der weise König Salomon. Zynismus, Freiheit und die Bedeutungslosigkeit des Lebens...

Der Strom kommt wieder, ich hänge in dem Buch fest. Erinnerungen an die Tage, als ich mir über Gott, das Schicksal, mein Leben, die Sinn- und Ausweglosigkeit desselbigen den Kopf zermartert habe, ziehen vorbei. Ich erspüre und erinnere mich an das Leid, das die Menschen bedrückt, die in diesen Gedankengängen fest sitzen und das ich selbst zu genbüge in meinem Leben kennen gelernt habe... ich überfliege das Kapitel bis zum  Schluss, klappe das Buch zu und ... -bin glücklich.

Glücklich, dass ich nicht mehr diesem merkwürdigen selbstzerstörerischen Zwang des Philosophierens unterlegen bin. Ich lebe. Ich bin aktiv, im Hier und Jetzt. Kein Bedauern meiner Vergangenheit, keine Angst vor dem Morgen, keine Hoffnungslosigkeit. Ich lebe und ich bin ganz zufrieden mit mir und meinem Leben.
Ich bin weder reich, noch hübsch, noch sonst in irgendweiner Weise aussergewöhnlich und ich fühle mich  dennoch recht wohl, finde mich ganz okay. Nein, das war falsch. Ich glaube, in einer Hinsicht bin ich etwas aussergewöhnlich:
Ich gehe in jeden Tag mit Zuversicht, bin irgendwie nahezu immer gut drauf und ausgeglichen. Ich lasse mich nicht von Problemen fressen, ich sehe Herausforderungen und suche nach einer Lösung dafür. Ich schätze die Menschen, sehe Stärken und Schwächen und komme doch ganz gut damit klar. Es gibt Tage voller Arbeit und oft hat der Tag am Ende nicht das Erhoffte erbracht. Management in Uganda ist mühsam und wäre absolut frustrierend, wenn man es persönlich nehmen würde. Doch wenn der Tag mal heftig ist, dann sitze ich abends draussen, trinke mein Bier, rauche ein paar Zigaretten, lausche der Musik der Natur, kuschel mit meinem kleinen gestörten Kater, der mich vor Wonne vollsabbert, gönne mir eine tröpfelnde Dusche und beende den Tag mit einem guten Buch im Bett. Und wenn ich so darüber nachdenke muss ich feststellen, dass ich eine n Schatz besitze. Die Einfachheit des Lebens geniessen zu können. Vielleicht ist das etwas, was ich hier in Afrika gelernt habe, vielleicht war es auch schon immer da und  nur mit zu viel unsinnigem Müll bedeckt. In der Bibel steht:
"Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehret und werdet  wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!"  Mt 18:3 
Daran ist etwas Wahres, vielleicht sogar eine Lebensphilosophie. Auf jeden Fall neigen wir Erwachsenen dazu, das Leben unnötig zu verkomplizieren. Seht Euch die Kids hier unten an.



Kein einfaches Leben auf dem Land im Norden Ugandas. Dennoch, sie lachen, sie haben Freude und immer wieder ist es beeindruckend für mich, wie wenig Gejammer ich hier von Seiten der Afrikaner höre. Wobei kaum ein Europäer fähig wäre, so ein Leben zu leben. Wir wären schon x-mal zum Psychologen gelaufen, hätten und Anti-Depressiva oder sonstwas verschreiben lassen... Nein, ich will nicht alles schwarz-weiß malen, aber etwas zum nachdeneken anregen, d.h. eigentlich will ich zum Leben anregen.

Das Leben ist einfach: "Carpe diem"

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Gute Gedanken! Danke!
Besonders gefällt mir: "Die Einfachheit des Lebens genießen können." Schön!!! :)