... geht es mir "fair" wie man hier so sagt. Ich beiße mich so durch die Tage -mal ganz freudig und erfolgreich, mal ganz beschwerlich und eher schwach. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ein Leben hier auf Dauer doch so anstrengend ist. Gut, ich stehe nach wie vor um und bei 5:00h auf, aber diese Zeit ist mir nach wie vor auch superwichtig -es ist die einzige ruhige Zeit des Tages. Um 7 Uhr treffen wir uns zur Devotion, um halb acht gibt es Frühstück und spätestens um acht starten wir dann in den Tag. An sich ist das jetzt nicht dramatisch, aber es gibt wohl doch so Einiges, was immer wieder zehrt. Nicht nur, dass über 30°C Dauersommer bei gleichzeitig viel Regen einen manchmal nach Herbst und Winter schreien lassen, auch die mittlerweile -mir persönlich- einseitig erscheinende Kost trägt wohl dazu bei, nicht immer ganz topfit zu sein. 
Seit bald gut 16 Monaten gibt es immer wieder dieselben 10 Gerichte incl. denselben 3 Suppen am Abend. Damit haben wir eindeutig mehr Auswahl als die meisten Afrikaner (für die gibt es meistens nur Posho und Beans), aber dennoch fällt es einem mittlerweile schwerer, begeistert "rein zu hauen"...
Jeder Tag ist voll gefüllt, da ich lebe, wo ich arbeite und auch abends noch Ansprechpartner bin, ist es manches Mal echt ein langer Tag und gerade mal der Sonntag bleibt als Erholung, den ich dann ja auch mal nutze, um hier raus zu kommen. Einfach mal irgendwo ins Hotel und in Ruhe die Füße hochlegen.
Ich bin hier für unsere Freiwilligenhelfer zuständig. Momentan sind es gar nicht so viele, aber das anstrengende ist einfach, immer ansprechbar sein zu müssen, auch für die vielen Dinge, die erst einmal so gar nichts mit unserer Arbeit zu tun haben. Ob das unsere eigene alltägliche Organisation (oder eben Desorganisation) ist oder irgendwelche Michjungen, Bauarbeiter, andere Mitarbeiter, Einkäufe oder kranke oder Volontäre, oder bockige Köchinnen, wöchentliche Hauskreise, allmorgendlicher Lobpreis, monatliche Ausflüge ... für alles bin ich zuständig. Das an sich mag zwar auch mal viel sein, aber das Schwierige ist, dass ich alleine damit stehe und keinen Gefährten habe, der auf meiner "Ebene" ist. Und das wäre mir ein Anliegen für Euch: betet doch dafür, dass nicht mehr alles bei mir alleine hängen bleibt bzw. dass ich einen Gesprächspartner oder vielleicht sogar ne Freundin hierher bekomme. Ich glaube, das würde manche Last leichter machen und mir auch durch eine zweite Sichtweise helfen...
Ach, so schreibe ich mir mal was von der Seele. Auch das ist mein Alltag. Neben all dem, was viel Spass macht gibt es eben auch eine anstrengende Seite, die (mal nebenbei bemerkt) wohl so mancher Volontär auch unterschätzt. Das hier ist mehr als ein exotischer Urlaub, es ist Arbeit und man braucht schon ne gute Portion Hingabe und Passion, um sich hier immer und immer wieder gut zu motivieren. So mancher verfällt regelmässig in Durchhänger und so glaube ich eben, dass es hier auch Menschen gibt, die ihre eigene (auch psychische) Konstitution überschätzt haben. Und es ist wahr: aus eigener Kraft kommt man hier nicht so weit...
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